Chanson, Swing und Balkanbeats
von Birgit MatuschewskiLes Yeux d’la Tête in der GroovestationAm 24. Mai ab 21.30 Uhr ist die französische Band Les Yeux d’La Tête in der Groovestation in der Katharinenstraße in der Dresdner Neustadt...
von Birgit MatuschewskiLes Yeux d’la Tête in der GroovestationAm 24. Mai ab 21.30 Uhr ist die französische Band Les Yeux d’La Tête in der Groovestation in der Katharinenstraße in der Dresdner Neustadt...
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› von Birgit Matuschewski · Montag, 20. Juni 2011 · Keine Kommentare
Von Birgit Matuschewski
Kulturschock oder angenehme Überraschung?
Zugegeben Dresden ist nicht Paris. In der französischen Metropole leben immerhin vier Mal so viel Menschen wie in der sächsischen Hauptstadt. Trotzdem gibt es zwischen beiden Städten viele Parallelen. Beide sind durch einen Fluss getrennt. Was dem Louvre die Mona Lisa ist, ist der Sempergalerie die Sixtinische Madonna. Und was den Franzosen Versailles ist, nun da hat August der Starke während seiner Amtszeit von 1694 bis 1733 gleich mehrere prunkvolle Schlösser bauen lassen wie Pillnitz, Moritzburg und nicht zuletzt das Dresdner Schloss mit dem Grünen Gewölbe als Schatzkammer von unschätzbaren Wert. Wie hat sich Gene Kelly in George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“ gefühlt, als er nach dem Zweiten Weltkrieg über den großen Teich in das alte Europa kam?
Vielleicht wie Jim aus Michigan, als der im Frühjahr diesen Jahres in die sächsische Kulturhauptstadt kam, um hier zu arbeiten? Schnell musste er feststellen, dass Detroit und Dresden nicht nur 7000 Kilometer Fluglinie trennen, sondern auch kulturelle Welten. Ersteres wurde ihm allzu bald bewusst, denn einfach mal so übers Wochenende nach Hause zu Frau und Kindern fahren, ist natürlich nicht möglich. Aber dank solch amerikanischer Genies wie Bill Gates oder der Erfindungen moderner Kommunikation wie das World Wide Web, Google oder Skype sind Entfernungen heute relativ. Zweiteres wiegt da schon schwerer. Um es vorwegzunehmen, viele Dinge hat Jim ganz schnell lieben gelernt. Zum Beispiel sein samstägliches Jogging am malerischen Elbufer, die vielen kleinen Geschäfte, kleinen Cafés oder die Bäckereien, wo es eine Unmenge an Brotsorten zu kaufen gibt und natürlich den sächsischen Kuchen. Für ihn einfach unerreicht. Deshalb hat er sich auch vorgenommen, bis zu seiner Rückkehr in die Staaten jede Sorte zu probieren. Außerdem hat er sich angewöhnt, sein Essen wegen der Unmenge der Supermärkte und Händler auf den Straßen jeden Tag frisch zu kaufen und nicht wie in Amerika einfach nur aus dem Tiefkühlfach zu nehmen. Womit er sich allerdings gar nicht anfreunden kann, ist das üppige Mittagessen, was ihn total müde macht. Gegen das abwechslungsreiche Frühstück aber hat er durchaus nichts einzuwenden.
Aus dem Zentrum der US-amerikanischen Autoindustrie stammend hat Jim selbstverständlich einen Faible für Autos. Seine Leidenschaft dafür kann er nicht nur in der Gläsernen Manufaktur von VW und im Dresdner Verkehrsmuseum frönen, sondern sich auch täglich über die Vielfalt deutscher Automarken auf den Straßen wundern. Er liebt Audi, BMW, Mercedes-Benz und natürlich auch das Juwel deutscher Automobilbaukunst, den Maybach. Allerdings ist er immer wieder erstaunt, wie wenig die Deutschen für ihr liebstes Kind, das Auto, parkplatzmäßig tun. Der Verkehr in Dresden mit den Autos, Straßenbahnen, Bussen, Radfahrern und Fußgängern mutet ihm wie ein einziges Chaos an. Und nicht zuletzt liebt er die Autobahnen, am meisten die ohne Geschwindigkeitsbegrenzung. Aber auch den hohen technologischen Standard in den Betrieben, zu Hause oder in den Autos hat er schnell schätzen gelernt.
Überrascht ist Jim über die vielen Radfahrer in der Stadt und die Vielfalt an Fahrrädern, die es hier gibt. Dabei ist Dresden, was das Radfahren anbetrifft eher provinziell. In Städten wie dem fränkischen Erlangen zum Beispiel kommen die Babys quasi schon mit einem Fahrrad auf die Welt. Außerdem mag er die vielen Familien in den Parks der Stadt und wundert sich immer wieder darüber, wie viele Väter hier Kinderwagen schieben oder mit ihren Kindern rollerbladen. Verblüfft ist er auch über die Sicherheit auf den Straßen und Plätzen und mit welcher Selbstverständlichkeit Frauen sich nachts in der Stadt bewegen können, ohne Angst haben zu müssen. Schnell hat Jim natürlich auch mit den deutschen Tugenden Sauberkeit, Ordnung und Pünktlichkeit Bekanntschaft gemacht. So wird auf deutschen Meetings kein fünf Minuten Zuspätkommen geduldet und den guten alten deutschen Dienstweg mit einer Unmenge an Dokumenten findet er einfach nur ermüdend und zum Teil lächerlich. Allerdings hält er den Ordnungstick seiner Putzfrau für übertrieben, die ihm jedes Mal in seinem Appartement seine Sachen verräumt. Aber da kennt die Gute keine Kompromisse. Womit Jim auch bei einem Thema ist, von dem er meint, dass Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Dem Service. Ob nun in Restaurants oder Behörden, der Deutsche hat es nicht so mit der Freundlichkeit und Beflissenheit und auch auf den Straßen gehen viele ihrer Wege, ohne Hello zu sagen. Auch beim Aufzeigen neuer Wege in den Produktionsabläufen in den Betrieben, für die er arbeitet, stößt er oft auf stoische Ablehnung oder zumindest Skepsis.
Auf der anderen Seite ist Jim sehr davon angetan, wie gebildet die Menschen hier in Deutschland sind und für was sie sich alles interessieren. Die Vielzahl von Museen in Dresden ist für ihn ein unerschöpflicher Quell, um sich über Kunst, Kultur und Tradition des Landes zu informieren, wobei er über die Frequentierung dieser breit gefächerten Angebote durch Kinder und Jugendliche überrascht ist. Auch an das neue Selbstverständnis von Balance zwischen Arbeit, Familie und Gesundheit des einzelnen könnte er sich gewöhnen. Von 30 Tagen Urlaub im Jahr, keine Wochenendarbeit und einen Acht-Stundentag können die Menschen in den USA nur träumen. Alles in allem findet Jim seinen Aufenthalt in Deutschland sehr spannend und dass er an dem Leben hier so gut teilhaben kann, dafür haben die Leute von Relocation Services bestens gesorgt, die ihm beim Erlernen der deutschen Sprache, bei Behördengängen und anderen organisatorischen Details jederzeit zur Seite stehen. Ein Amerikaner in Dresden, der diese Stadt nie vergessen wird.