Chanson, Swing und Balkanbeats
von Birgit MatuschewskiLes Yeux d’la Tête in der GroovestationAm 24. Mai ab 21.30 Uhr ist die französische Band Les Yeux d’La Tête in der Groovestation in der Katharinenstraße in der Dresdner Neustadt...
von Birgit MatuschewskiLes Yeux d’la Tête in der GroovestationAm 24. Mai ab 21.30 Uhr ist die französische Band Les Yeux d’La Tête in der Groovestation in der Katharinenstraße in der Dresdner Neustadt...
Dresdner Straße 178
01705 Freital
www.grimm-zahnarztpraxis.de
› von Elisa Georgi · Donnerstag, 30. Juni 2011 · Keine Kommentare
1990 bis 1993 gründete sich in der Äußeren Neustadt eine kleine eigenständige Republik mit allem drum und dran: einem „Monarchen ohne Geschäftsbereich“, Ministern für „Pfuinanzen und andere Kirchenfragen“ und einer eigenen Währung, der Neustadtmark. Sogar Grenzen wurden in Form von weißen Strichen auf der Straße gezogen und eine eigene Flagge mit einem Micky Maus- Emblem auf dem altbekannten Deutschlandflaggen- Hintergrund erstellt.
Das Konzept einer kleinen, eigenständigen und unabhängigen Republik ging, die Flagge jedoch blieb. Und mit der Flagge blieben auch die Menschen, die seit 18 Jahren nun Jahr für Jahr in die Neustadt pilgern um dort im Juni für ein paar Tage ein alternatives Stadtteilfest zu feiern. Auf verschiedenen Bühnen und Plätzen spielen mehr oder weniger bekannte Bands, DJ‘s sorgen nachts für schwingende Hüften und tagsüber gibt es ein buntes Spektakel und Treiben für Groß und Klein.
Um zu wissen, wer wann wo und was spielt, erscheint jährlich ein Programm, welches jedoch so vielfältig und voll ist, das man sich jedes Jahr aufs Neue fragt, wie man es nur schaffen soll sich alle seine Lieblingsbands und DJ‘s anzuhören.
Deshalb haben wir uns dieses Jahr auf den Weg gemacht und die BRN besucht, um euch unsere persönlichen Höhepunkte zu resümieren und die Programmwahl für nächstes Jahr ein wenig zu vereinfachen.
Freitag, 19:30 Uhr
Ich mache mich auf den Weg und treffe ein paar Freunde am Albertplatz. Nachdem wir der Polizei am Eingang der BRN unseren Tascheninhalt präsentiert haben, stürzen wir uns ins Getümmel. Begleitet vom Duft verschiedener Fressbuden steuern wir unser erstes Ziel an, den Louisenparkplatz. Wo normalerweise Autos fröhlich vor sich hin warten, lassen heute elektronische Beats den Boden erschüttern. Im Moment spielt gerade Ronald Koon, DJ der Pop Art Circus Crew, welche sich durch die Partyreihe „French Kiss“ bereits in Dresden etabliert hat. Mit einem Mix aus Techno/ Elektro und Indie bringt er uns zum tanzen, und mit uns noch weitere hunderte die sich ebenfalls hier versammelten. Nebenan hüpfen Kinder auf Riesentrampolins, wir wollen auch, aber der Mann am Eingang weist uns freundlich darauf hin, das es zu „Komplikationen bei Alkoholkonsum und hüpfenden Bewegungen“ kommen kann. Vielleicht hat er ja Recht.
22:30 Uhr
Es geht weiter. Durch die Menschenmassen, die sich inzwischen durch die schmalen Straßen der Neustadt schieben, bahnen wir unseren Weg. Das Ziel soll die Aluna- Bühne sein (ebenfalls auf einem Parkplatz gelegen), dort spielt Konrad Kuechenmeister. Der aus Berlin stammende Künstler macht sogenanntes „Free- Loop- Entertainment“, das heißt dank eine Loopstation erzeugt er allein den klang einer ganzen Band. Nacheinander spielt er verschiedene Sounds ein und legt diese dann geschickt übereinander. Wir sind sofort begeistert obwohl die Massen an Gästen einen wortwörtlich erdrückt. Trotzdem sind alle glücklich, die Euphorie des Musikers schwappt auf uns über. Viel zu früh ist das Konzert vorüber und wir unterhalten uns noch eine Runde mit einem Pärchen was extra aus Jena zur BRN gekommen ist um sich Konrad Kuechenmeister anzuhören. Was sie jetzt machen würden? „Wir fahren jetzt wieder nach Jena zurück, uns sind hier zu viele Menschen.“ Das sind wahre Fans.
23:30 Uhr
Wir lassen uns von den vielen Menschen nicht abschrecken, zudem ist der Weg zu unserem nächsten Ziel auch nicht all zu weit. Auf der Katies - Bühne nebenan hat bereits die Band „Big Dipper“ mit ihrem Konzert begonnen. Die Rockband, welche sich an den 60 er/ 70 er Rock orientiert, fasziniert uns nicht nur durch ihre Musik welche mit vielen experimentellen Elementen gespickt ist, sondern auch durch ihre außergewöhnlichen Bühnenoutfits. Die durch Tonnen von Kajal im Gesicht erinnern sie äußerlich ein wenig an eine Metalband, aber die humorvollen Einlagen zeigen schnell wie wenig die Jungs sich selbst Ernst nehmen. Nach dem klasse Konzert strömen einige (vor allem weibliche) Fans hinter die Bühne, wir wollen uns jedoch weder Ruh noch Rast gönnen und setzten unseren Weg fort.
01:00 Uhr
Inzwischen ist es etwas leerer geworden in der Neustadt, die BRN muss zu einer bestimmten Zeit auf open- air Veranstaltungen verzichten, denn die Anwohner wollen ja auch irgendwann schlafen. Also suchen wir den „Lustgarten“ auf, dort geht nämlich in Inneren eines Gebäudes die Party weiter. Im Moment legt grad „Submeaning“ auf, ein junges Dresdner Dubstep/ D‘n‘B/ Elektroswing DJ- Duo. Anscheinend hatten nicht nur wir die Idee uns dorthin zu verziehen, der Floor ist gefüllt als gäbe es kein Morgen, und ebenso ist die Stimmung. Ausgelassen bis zum geht nicht mehr wird gefeiert und getanzt und wir werden sogar belohnt für unser Kommen, die Jungs präsentieren die neue Platte von Jazzsteppa, einem Label welches Dubstep mit Jazzinstrumenten produziert.
Langsam verlassen uns alle Kräfte und wir machen uns mit ausgelaugten Glieder und einem schlechten Gewissen das wir schon gegangen sind auf den Heimweg. Morgen ist ja auch noch ein Tag.
Samstag, 23:30 Uhr
Das Wetter ist schlecht, es regnet und ist kalt. Trotzdem trauen wir uns hinaus und sind um so stolzer auf uns, als wir endlich in der Neustadt ankommen. Zielstrebig marschieren wir durch die heute etwas aufgelockerten Massen Richtung Aluna- Bühne. Dort fängt grad die Band „Jamkaboom“ mit einiger Verspätung ihr Konzert an. Das Schlagzeug wirbelt los, der Bass setzt ein und der freundliche Mann hinterm Mischpult der aussieht wie Ashton Kutcher spielt elektronische Sounds dazu ab. Ganz klar, hier entsteht grade hochwertiger live- D‘n‘B. Total gebannt von den Instrumenten versinken wir in einen beinahe tranceartigen Zustand als der Gesang hinzukommt, der männliche Sänger singt jedoch so schnell, das wir leider gar nichts vom Text mitbekommen, die Sängerin singt jedoch immer wesentlich langsamere und melodischere Parts, wir haben also eine Chance mitzubekommen um was es hier geht, das Leben nämlich.
In der ersten Reihe tanzen zwei Mitte 50- jährigen Frauen und kreischen laut mit. Besonders bei der Liedzeile „There‘s a time to live, there‘s a time to lie.“ sind beide besonders euphorisch.
01:30 Uhr
Auch wir sind euphorisch und wandern abermals in den „Lustgarten“. Dubsteps gibts mal wieder, diesmal von DD_Dubster, Cosai und György De Val, welche hier mit dem Label „Spur-1“ vertreten sind. Die Mischung aus Dubstep und Reggae, welche sie präsentieren, ist ideal. Wie ein Freund neben mir meint „ey, ‘s groovt wies Schwein“, ist es, nicht umsonst nennt man zum Beispiel DD_Dubster auch den „Bass-Kapitän“. Sogar der Weg zur Toilette wird tanzend zurückgelegt. Ein Freund schenkt uns ein paar Getränkemarken und wir bestellen uns ein paar Drinks, leider sind die ziemlich klein. Zurück an der Quelle der Musik ernüchtert der Blick auf die Uhr. Es heißt „Adieu-sagen“ und auf ein Neues, denn wir müssen weiter. Viel, viel weiter.
03:30 Uhr
Nach einer langen Fahrradtour gen Friedrichstadt ist das letzte Ziel des Abends erreicht. Eine Minimal/ Techno/ House- open-air- Party. DJ‘s aus ganz Dresden legen hier auf, so zum Beispiel Albrecht Wassersleben vom „uncanny valley“- label, Leib & Seele von „Follow the white rabbit“ und Fassbinder von „etoka rec.“. Wir sehen viele bekannte Gesichter und klettern auf das Dach wo wir den Sonnenaufgang beobachten. Zu vorwärtstreibenden House- Klängen machen ein paar Gäste neben mir Seifenblasen, andere stehen um ein knisterndes Feuer. Was diese Party denn mit der BRN zu tun hat? Ganz einfach, es ist eine alternative Veranstaltung. Einige sagten auch, es handle sich hierbei um eine Anti- Veranstaltungen für alle jungen Menschen die keine Lust auf die Menschenmassen der BRN haben. Zudem sind in den letzten Jahren viele kritische und negative Stimmen gegen die kommerzielle Richtung, in die sich die BRN in den letzten Jahren entwickelte, aufgekommen. Zu viele Buden und Verkaufsstände, zu wenig „wahre“ BRN. Aber die ursprüngliche BRN, mit der ursprünglichen Idee, die gibt es nun schon bald 20 Jahre nicht mehr.
Trotzdem kann man sich bei einigen Veranstaltungen in den Grundgedanken einer kleinen Republik hineindenken. Und jeder der in den Tagen der BRN an dem Stadtteil vorbeigeht wird es bestätigen: hier lebt eine kleine Republik, für ein paar Tage ganz und gar losgelöst von allen Regeln und Normen.
Wir freuen uns also schon auf nächstes Jahr, wenn Mickymausflaggen in Dresden die BRN 2012 ankündigen (vorausgesetzt die Welt geht davor nicht unter).