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Ziemlich beste Freunde oder von der Kunst Hoffnung zu schenken

Gehen Sie gern ins Kino? Wenn nicht, dann sollten Sie es jetzt doch einmal tun. Denn sie verpassen sonst den Film Ihres Lebens. Ein Film weit ab von Holly- oder Bollywood, von Oskar oder Golden Globe. Ein Film, wie er das Leben schreibt. Und wer könnte das besser als die Franzosen. Bereits seit einiger Zeit erobern französische Filme nicht mehr nur die Programmkinos in Deutschland. Dany Boons „Willkommen bei den Schti’s“ oder „Nichts zu verzollen“ brachten die comédie française in unsere Kinos und in unsere Herzen. Jetzt bewegt eine weitere französische Komödie das Publikum unabhängig von Frankophilie, Alter, Geschmack oder Nationalität. Der erfolgreichste Film des vergangenen Jahres in Frankreich erobert die Welt. In wenigen Monaten hat die 9,5 Millionen teure Produktion weltweit schon 145 Millionen eingespielt. In Deutschland zeigten zunächst nur Programmkinos den Film. Wegen der großen Nachfrage haben nun alle Kinos den Film auf ihren Leinwänden. Am zweiten Wochenende nach dem offiziellen Kinostart hatten bereits 330.000 Deutsche den Film gesehen. Inzwischen ist er auf Platz Eins der Kinocharts und wird in Bälde die Zwei-Millionen-Grenze brechen.

Ist Louis de Funes auferstanden? Hat Pierre Richard wieder zwei Paar verschiedene Schuhe an? Nein, dieses Mal sind es keine Komiker, die uns mit ihrem Klamauk zum Lachen bringen, sondern leise und ernste Töne. In „Ziemlich beste Freunde“ spielen mit François Cluzet und Omar Sy zwei relativ unbekannte Schauspieler eine Geschichte aus dem Leben so überaus berührend, dass es auch den letzten Kinomuffel tief unter die Haut geht. Erzählt wird die Geschichte des Millionärs Philippe di Borgo, Leiter der Champagnerfirma „Pommery“, der 1993 beim Paragliding abstürzt und von da ab vom Hals abwärts gelähmt ist. Als kurz danach seine Frau bei einem Unfall stirbt, verliert er jeden Lebensmut. Unfähig seinem Leben in irgendeiner Weise ein Ende zu setzen, versinkt er in die Uniformität seiner Tage, die von seiner Pflege durch einen Haufen Angestellter bestimmt ist. Voll mit Selbstmitleid vergrault er alle Pfleger bis er eines Tages bei einem Casting für einen neuen auf den Arbeitslosen Abdel Sellou (im Film Driss) trifft. Der will sich eigentlich nur eine Unterschrift für das Amt holen, damit er weiter Arbeitslosenunterstützung bekommt und ist überhaupt nicht an einem Job interessiert. Philippe ist fasziniert von dem Mann, der Berlioz für ein Pariser Stadtviertel hält, und stellt ihn auf Probe ein. Es ist der Beginn einer Freundschaft zwischen Männern, die unterschiedlicher nicht sein können. Der weiße gebildete Reiche und der schwarze vorbestrafte Einwanderer, die sich gegenseitig zu einem neuen Leben verhelfen.

 

Die Regisseure Eric Toledano und Olivier Nakache hatten das Buch von di Borgo „Le second souffle“ (Der zweite Wind) bereits 2004 in einem Dokumentarfilm verarbeitet. Jetzt ist ihnen mit „Ziemlich beste Freunde“ (Originaltitel: Intouchables) ein berührender Film über Freundschaft und Hoffnung gelungen, der ein schwieriges Thema mit angemessenen Ernst und dennoch mit jeder Menge Leichtigkeit behandelt. Überragend die beiden Protagonisten François Cluzet als Philippe, dem frankophilen Publikum bekannt aus „Kleine wahre Lügen“, dem französischen Kinohit des vergangenen Jahres von Guillaume Canet, und Omar Sy als Driss in seiner zweiten Filmrolle nach „Micmacs- uns gehört Paris“ mit Dany Boon. Cluzet zeichnet ausschließlich mit seinem Mienenspiel und seiner Stimme ein überaus vielschichtiges Porträt des behinderten Philippe, das im Zusammenspiel mit der Frische und Unbekümmertheit von Sy eine besondere Dramatik gewinnt. Obwohl Toledano und Nakache nichts beschönigen, ist es ein Film, der das Leben schön macht und bejaht, wie das wahre Schicksal der Figuren heute beweist. In einer Szene des Films fordert Philippe von Driss ein Stück Schokolade. Driss, wie so oft zu Scherzen aufgelegt, verweigert Philippe das M&M und meint grinsend „keine Arme, keine Schokolade“. Ein Bonmot, der heute auf jedem Schulhof die Runde macht und der jedem, der den Film gesehen hat, ein Lächeln ins Gesicht zaubert.

Text: Birgit Matuschewski

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