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Bildtext:<br />Foto: Rolf van Melis, pixelio.de.<br /><br />

von Birgit Matuschewski

Xavier Naidoo macht Voice of Germany zur Farce

 

Seit Wochen hält „The Voice of Germany“ ganz Deutschland in Atem. Das neue Sendeformat von Sat.1 und ProSieben bricht alle Rekorde und bringt ein Niveau in das deutsche Fernsehen, wie es bis dato noch nie da gewesen ist. Über fünf Millionen Zuschauer kann die Musikshow, die auf dem Castingshow-Konzept von The Voice basiert, das erstmals Ende 2010 in den Niederlanden umgesetzt wurde, bei einer einzigen Sendung verzeichnen. Supertalent Quotenmeister Dieter Bohlen ist out. Eurovision Song Contest Guru Stefan Raab ist geschlagen. Die Coaches von The Voice of Germany, der Ire Rea Garvey, Nena, Sascha und Alec von The BossHoss und Xavier Naidoo, haben sich innerhalb kurzer Zeit zu Stilikonen des deutschen Musikbusiness entwickelt. Was sicherlich auch deren Musikkarrieren und bevorstehenden Touren nicht unförderlich ist. Aber dieser schöne Nebeneffekt steht bei der Suche nach der besten Stimme Deutschlands nicht zur Debatte. Unbestritten ist, dass diese Show Talente zum Vorschein gebracht hat, für die Dieter Bohlen seine eigene Großmutter verkaufen würde. Selbst die Coaches mussten schon während den Battles zugeben, dass hier so mancher unbekannter Sänger sie an die Wand singt.

In der Tat hat das Publikum schon länger den Eindruck, dass die Schützlinge der vier „Gesangslehrer“ besser singen als diese selbst. Sicherlich ist das auch eine Geschmacksfrage, wie das Beispiel Percival Duke zeigt. An dem aus Dallas stammenden USA-amerikanischen Popsänger schieden sich die deutschen Geister. Zu viel amerikanisches Showbiz, zu viel Tattoos und Piercings, zu viel Exhibitionismus auf der Bühne fanden die einen, einfach cool die anderen. Wenn so jemand The Voice of Germany wird, dann Gute Nacht Deutschland, dachte sich so mancher. Auf jeden Fall stellt sich die Frage, was ein in Amerika gescheiterterEntertainer bei einer deutschen Castingshow zu suchen hat. Er hat zwar eine tolle Stimme, aber sonst mit Deutschland nicht viel am Hut. Der gute Percy hat es dann doch ein wenig übertrieben und so kam es in der fünften Liveshow, wie es kommen musste, Hochmut kommt vor dem Fall, wie es Sascha von The BossHoss so treffend formulierte.

Selbstverständlich sieht sich Deutschland zunehmend als ein Multi-Kulti-Land, was sich bei den Kandidaten von The Voice of Germany deutlich widerspiegelt. Namen wie Behnam Moghaddam, Rino Galiano, Sharron Levy, Charles Simmons, Tiziana Belmonte und Ivy Quainoo stammen nicht gerade aus dem deutschen Namensschatz. Vielleicht hat gerade deshalb die englische Bezeichnung der Castingshow ihre Berechtigung, auch wenn sich Verfechter der deutschen Sprache fragen, warum eine solche nicht einfach „Die Stimme Deutschlands“ heißen kann. Zu profan, nicht zeitgemäß oder auch nach sieben Jahrzehnten immer noch zu braun? Sei es wie es sei, von den acht Kandidaten im Halbfinale trugen nur vier deutsche Namen. Woran sich bestimmt niemand stören würde, wäre da nicht ein Xavier Naidoo, Professor der deutschen Unterhaltungsmusik, wie er zuweilen scherzhaft von Rea Garvey genannt wird. Der in Mannheim geborene Sohn einer Südafrikanerin und eines Sri-Lanka-Tamilen fand den in München geborenen Soulsänger Mic Donet, der eigentlich Michael Schuppach heißt, im Halbfinale nicht deutsch genug. Man müsse daran denken, dass die Show die Stimme von Deutschland suche und es nicht sein könne, dass im Finale vier Kandidaten englisch singen. Und so hievte er mit einer zum Himmel stinkenden Bewertung von 65 Prozent den deutsch singenden Max Giesinger ins Finale. Wohl wissend, dass das Publikum Mic Donet wählen würde. Der aber durch die unverschämte Vorlage seines Coaches von nur 35 Prozent trotz des überragenden Zuschauervotings knapp hinter Giesinger landete und damit ausscheiden musste. Dieses Ergebnis sorgte nicht nur für Fassungslosigkeit bei den Fans von Donet, sondern auch bei den Coaches Nena und Rea Garvey. Wahrscheinlich fragt sich das Publikum schon länger, was Max Giesinger in der Riege der Topsinger zu suchen hat, denn so richtig konnte niemand außer Xavier Naidoo nachvollziehen, warum der Mannheimer mit dem nuschelnden und nicht gerade stimmgewaltigen Max geht. So mancher hört wohl die Nachtigall trapsen, denn zwischen Karlsruhe und Mannheim liegen gerade mal 65 Kilometer. Auf jeden Fall fühlt sich das Publikum betrogen und entmündigt, denn ein Prinzip der Castingshow ist das Mitspracherecht der Zuschauer zu Hause vor den Fernsehern. Dass der deutsche Schmalzbarde nicht von dieser Welt ist, ist seit „Dieser Keks muss ein weicher sein“, oh Verzeihung „Dieser Weg wird kein leichter sein“ nichts Neues. Bleibt zu hoffen, dass es bei der zweiten Staffel Ende 2012 mehr mit rechten Dingen zugeht. Ganz im Sinne Naidoos „Alles kann besser werden.“

Text: Birgit Matuschewski

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